Gastvorträge

Ozeane und Meere verbinden die Welt. Sie transportieren nicht nur Waren und Menschen sondern mit Ihnen auch ihre Ideen. Diese reichen von Vorstellungen über die Organisation von Staaten und Gesellschaften bis hin zu Innovationen in den Bereichen Energie und Nachhaltigkeit. Maritime Räume und Perspektiven bieten dabei vielfältige Anknüpfungspunkte gesellschaftliche und kulturelle Phänomene zu untersuchen. Sie sind meist hochintegriert und zeichnen sich durch spezifische Kulturen des Austausches aus.

In der Vorlesungsreihe des Interdisziplinären Forschungszentrums Ostseeraum präsentieren internationale und Greifswalder Wissenschaftler*innen ihre Forschungsergebnisse zu Themen am, im und über das Meer.

Vorlesungsreihe Wintersemester 2019/20

Michael North (Greifswald) – Kultureller und künstlerischer Austausch im Ostseeraum, 1400-1900

Michael North (Greifswald) – Kultureller und künstlerischer Austausch im Ostseeraum, 1400-1900

Der Vortrag in der IFZO Vorlesungsreihe am Abend des 03. Dezember 2019 war zwar kein Gastvortrag, aber dennoch nicht weniger interessant. Prof. Dr. Dr. h.c. Michael North, Sprecher des IFZO, redete über den Ostseeraum als Kontaktzone, als Raum für interkultureller Interaktionen und des künstlerischen Austauschs. 

Der Ostseeraum war und ist eine Zone fruchtbarer Austauschbeziehungen. Hier leben seit Urzeiten verschiedene sprachliche Gemeinschaften zusammen: Germanen, Slaven, Balten und Finnen, die sich im Mittelalter, zum Teil aber auch erst in der Neuzeit, zu Völkern und Staaten entwickelt haben. Gleichzeitig war der Ostseeraum Schauplatz eines intensiven Austausches auf allen Ebenen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. So entstanden supranationale Kulturen wie die der Wikinger und der Slaven oder der Hanse, aber auch die Niederlandisierung im 16./17. Jahrhundert sowie die Sowjetisierung im 20. Jahrhundert prägten und prägen den Ostseeraum. Diese vielfältigen Formen kultureller und ökonomischer Interaktion an der und um die Ostsee stehen im Mittelpunkt des Vortrages, der von der Hansezeit bis zum Vorabend des ersten Weltkrieges reicht.

Torsten Veit (Greifswald) – Form und Familie. Untersuchungen zu Wessobrunner Innendekorationen im Ostseeraum des 18. Jahrhunderts am Beispiel der frühen Jahren des oberbayrischen Stuckateurs Johann Michael Graff

Torsten Veit (Greifswald) – Form und Familie. Untersuchungen zu Wessobrunner Innendekorationen im Ostseeraum des 18. Jahrhunderts am Beispiel der frühen Jahren des oberbayrischen Stuckateurs Johann Michael Graff

Torsten Veit erklärt seine geobasierten Netzwerkdaten zu den Wessobrunner Stuckateuren. Foto: Jan Reinicke

Stuckateure zählen in der frühen Neuzeit zu den mobilsten Handwerkern. Sowohl in zentralen Residenzstädten als auch in entlegenen Landgütern sind sie tätig, um den Besitzern kostbare Innendekorationen zu schaffen. Die Wessobrunner Künstler und Handwerker hatten in diesem Bereich während des späten 17. und bis weit ins 18. Jahrhundert eine führende Position inne.

Johann Michael Graff, der Fokuspunkt meiner Dissertation, stammt aus diesem kleinen aber durchaus bedeutenden Dorf in Oberbayern. Zusammen mit Verwandten arbeitete er um 1760 in Berlin und ab 1765 in Kurland, Livland und Polen. Diese Schaffensperiode ist durch Verträge und Rechnungen gut dokumentiert und nachweisbar.

Im Gegensatz dazu liegen seine frühen Jahre noch größtenteils im Dunkeln. Der Vortrag setzt da an. Es wird der Versuch unternommen, mittels historischer und räumlicher Netzwerkforschung Hypothesen zu kreieren, die auf stilistische Verwandtschaften zu anderen Stuckateuren dieser Zeit schließen lassen, um das Werk Graffs und seiner Kompagnie im Kosmos der Œuvres Wessobrunner Stuckateure zu verorten. Zudem wird versucht, neue Wege der Visualisierung kunsthistorischer Erkenntnisse umzusetzen, die die Forschung dokumentieren und zudem einen spürbaren Mehrwert für die Fachcommunity erzeugen.

Pierrick Pourchasse (Brest) – The French Merchants Huguenots in Northern Europe in the 18th century

Pierrick Pourchasse (Brest) – The French Merchants Huguenots in Northern Europe in the 18th century

Am Abend des 12.11. 2019 hielt Pierrick Pourchasse im Rahmen der IFZO Vorlesungsreihe seinen Vortrag über französische Hugenotten in Nordeuropa.

Der Hugenotte wurde als tief religiöser Mann wahrgenommen, der von den diskriminierenden Maßnahmen und der Gewalt der französischen Behörden verfolgt wurde. Er war ein Mann, der mit großen Schwierigkeiten aus Frankreich weglief, besonders nach dem Widerruf des Ediktes von Nantes und Zuflucht in Ländern mit religiöser Toleranz wie der Niederländischen Republik, England, Preußen oder Skandinavien fand. Auch wenn die Darstellung des verfolgten Migranten für viele Protestanten der Wahrheit entsprach, liefert die Studie über hugenottische Kaufleute, die sich in Nordeuropa niederließen, ein anderes Bild von der Zuflucht. Die Hugenotten, die sich in Hamburg, Stockholm oder Kopenhagen niederließen, waren nicht immer Flüchtlinge oder gebürtige Franzosen. Einige von ihnen kamen aus Ländern, in denen ihre Familien seit mehreren Generationen ansässig waren und in denen sie nicht verfolgt wurden, wie der Schweiz oder der Niederländischen Republik. Wenn sie flohen, ging es auch darum, eine wirtschaftliche Tätigkeit wie alle anderen europäischen Kaufleute zu errichten oder auszubauen.

Salvatore Ciriacono (Padova) – Water: a Multidimensional Approach

Salvatore Ciriacono (Padova) – Water: a Multidimensional Approach

Am 29. Oktober 2019 hielt Salvatore Ciriacono, ehemaliger Professor für Neuere Geschichte an der Universität Padua, im Rahmen der IFZO Vortragsreihe seinen Vortrag über die Wassernutzung. In diesem Beitrag wurde der Zusammenhang zwischen Wasser und der Umwelt im Allgemeinen betrachtet. Bei einer solchen Untersuchung muss ein breites Spektrum von Variablen berücksichtigt werden, die jeweils in ihren jeweiligen geografischen und ökologischen Kontexten artikuliert werden müssen. Die Variablen und Probleme im Zusammenhang mit dem Wasser sind gleichzeitig geografisch und klimatisch sowie technologisch, agronomisch und industriell. Die Themen erstrecken sich auch auf den Energiesektor und die urban-territoriale Arena.

Formation, Adaptation, Response: Nationalism in Japan c. 1900. Critical Notes on ‘Transfer Nationalism’ – Harald Kleinschmidt (Tokyo)

Formation, Adaptation, Response: Nationalism in Japan c. 1900. Critical Notes on ‘Transfer Nationalism’ – Harald Kleinschmidt (Tokyo)

Am 22.10.2019 sprach Prof. Harald Kleinschmidt im ersten Gastvortrag des Wintersemesters 2019/20 über den japanischen Nationalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

The presentation challenges the concept of ‘transfer nationalism’ suggesting that nationalism has emerged in areas outside Europe only through the transfer of its key ideas. This position, widely held in political sociology and modern history, stands in stark contrast against evidence provided by the history of nationalism in Japan which, from the turn of the nineteenth century at the latest, features tenets that can hardly have been of European origin. The core feature discussed at length in the article is the idea of tenka (天下; literally translated: all under heaven), constituting the group of ruled in terms of a universalistic indigenate (kokumin国民) , which allowed its expansion beyond the Japanese archipelago at government discretion. The concept of the universalistic indigenate, having been tied to the Confucian perception of the world as a well-ordered and change-absorbing entity, conflicted with the European concept of the nation as a particularistically conceived type of group, tied to the perception of the world as a dynamic and largely unruly entity. During the latter third of the nineteenth and the early twentieth century, some Japanese intellectuals came to appreciate the dynamism enshrined in the European concept of the nation and worked it into the established concept of the indigenate. The fusion produced a powerful ideology of colonial expansion targeted primarily at East and Southeast Asia as well as the South Pacific. By  contrast, European, specifically military strategists and political theorists, unaware of the Japanese strategic conceptions, expected that solely Russia formed the target of Japanese military expansion.

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