Nachhaltigkeit im Ostseeraum

Forschungsinhalte

  • Was genau heißt eigentlich „Nachhaltigkeit“ im Ostseeraum?
    Was und wo sind die Hauptnachhaltigkeitsprobleme im Ostseeraum?
    Wer sind die Verursacher dieser Probleme?
     
  • Was sind Lösungsvorschläge für diese Probleme und wo und in welchen Bereichen tut man sich besonders schwer mit der Bewältigung der Nachhaltigkeitsprobleme?
    Warum? Wo liegen die Barrieren für die Umsetzung der Lösungen?
     
  • Wo im Ostseeraum gibt es Erfolgsgeschichten der Nachhaltigkeit und sind diese übertragbar?
     
  • Welche Rolle spielt nachhaltiges individuelles Verhalten, z.B. Konsumverhalten für die Nachhaltigkeit im Ostseeraum und wie kann es nachhaltiger werden?
     
  • Biobasiertes Wachstum: Fluch oder Segen?
    Kann Wachstum, biobasiert oder nicht, (im Ostseeraum) überhaupt nachhaltig sein?
    Macht der Zusatz „biobasiert“ tatsächlich einen Unterschied im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit?

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Das IFZO in Brüssel: Konferenz zur Zukunft der Agrarpolitik

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union hat auf die Nachhaltigkeit im Ostseeraum ganz entscheidenden Einfluss. Agrarsubventionen entscheiden schließlich darüber, welche Landwirtschaft in der Region betrieben wird: Eine solche, die Klima und Gewässer schützt und Biodiversität fördert? Oder eine solche, die Treibhausgasemissionen (etwa aus entwässerten Mooren) hervorbringt, den Nährstoffeintrag in die Ostsee steigert und die Artenvielfalt verringert?

Aktuell finden in Brüssel die Verhandlungen zur Neuausgestaltung der Agrarpolitik in der kommenden Förderperiode (vermutlich ab 2022) statt. Auf Einladung des European Environmental Bureau und BirdLife International diskutierte Stefan Ewert als PostDoc des IFZO-Clusters Nachhaltigkeit mit Wissenschaftlern, Interessengruppen und Vertretern der Europäischen Kommission und des Parlaments die zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik. Es zeichnet sich ab, dass die Mitgliedsstaaten der EU zukünftige eigene Schwerpunkte und Zielvorgaben definieren können, die sich auf die Verringerung der Umweltbelastungen aus der Landwirtschaft beziehen. Damit öffnet sich ein Fenster für eine intensivere agrarpolitische Abstimmung im Ostseeraum. Diese ist zwingend geboten, um den Nährstoffeintrag in die Ostsee aus der Landwirtschaft – eine der größten umweltpolitischen Herausforderungen in der Region – signifikant zu reduzieren.

 

Text: Stefan Ewert


Moore im Ostseeraum

Zusammenarbeit des IFZO mit dem GMC

Die Ostsee ist ein „Meer der Moore“. In den nördlichen und östlichen Ostseeanrainerländern sind Moore weit verbreitet, organische Torfböden bedecken weite Teile des Baltikums und des Nordens. Die Moore spielen für eine nachhaltige Entwicklung der Region eine entscheidende Rolle. Intakte Moore binden Kohlenstoffdioxid und das ausgesprochen wirksame Treibhausgas Lachgas. Werden Sie jedoch zur menschlichen Nutzung – insbesondere für die Landwirtschaft – entwässert, werden somit Treibhausgase im großen Stil freigesetzt. So sind beispielsweise in Lettland die Emissionen von Treibhausgasen aus entwässerten Mooren höher als alle die Emissionen aus allen anderen Quellen des Landes zusammengenommen. Doch auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo organische Böden nur einen Bruchteil der genutzten Fläche ausmachen, entstammt ein Drittel der Treibhausgasemissionen des Landes aus trocken gelegten Torfstandorten. Zudem verlieren entwässerte Moore im Wassereinzugsbereich der Ostsee die Fähigkeit, Nährstoffe zu binden und so zu einer Verringerung der Nährstoffbelastung des Ökosystems Ostsee beizutragen.

Moore haben im Ostseeraum auch eine kulturelle Dimension. Sagen und Legenden kreisen um die Moore, Namen von Regionen und Ländern leiten sich aus Begriffen mit Moorbezug her. Viele Begriffe der aktuellen Moorforschung stammen wiederum aus dem baltischen Raum.

Das IFZO kooperiert aus diesen Gründen eng mit dem Greifswalder Moorzentrum (Greifswald Mire Centre – GMC). Am GMC arbeiten seit vielen Jahren Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um die Ökologie der Moore zu erforschen, die Moorbestände weltweit zu erfassen und die Ökosystemdienstleistungen intakter Moore in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Mit dem Konzept der „Paludikultur“, also der Bewirtschaftung wiedervernässter Moorstandorte, entwickelt das GMC innovative Lösungen, den Moorschutz und die Moornutzung zu verbinden und so zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung beizutragen. 

 

Text: Stefan Ewert


IFZO @ Forum Ostsee MV

Am 03.09.2019 fand in Schwerin im „Forum Ostsee MV“ ein Workshop zur Zukunft der EU-Ostseestrategie unter Leitung des Ministeriums für Inneres und Europa MV statt. Das IFZO war vor Ort und diskutierte mit, wie sich Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit der Flagschiffprojekte in Mecklenburg-Vorpommern und dem gesamten Ostseeraum erhöhen lassen. Aktuell laufen im Bundesland 20 Flagschiffprojekte der EU-Ostseestrategie, u.a. das Projekt „DESIRE“ zum nachhaltigen Moormanagement im Memel-Einzugsgebiet, welches von der Universität Greifswald geleitet wird.

Text: Stefan Ewert


Das IFZO auf dem Forum zur EU-Strategie für den Ostseeraum

Die EU-Strategie für den Ostseeraum feiert 2019 ihr zehnjähriges Bestehen. Das jährliche Strategieforum, auf dem 800 Entscheidungsträger und Stakeholder Ergebnisse aufzeigten und Verbesserungspotentiale diskutierten, fand vom 12. bis 13. Juni in Gdansk statt. Das Motto in diesem Jahr: Reduce, Reuse, Rethink!

Der Klimawandel und der Schutz des weiterhin ausgesprochen fragilen Ökosystems Ostsee wurden als größte Herausforderungen des Ostseeraums in den Fokus der Tagung gestellt. Ein intaktes Ökosystem Ostsee ist nicht nur die Voraussetzung für das Wohlbefinden der Menschen, die hier leben. Es ist direkte oder indirekte Grundlage einer ganzen Reihe von Wirtschaftszweigen (wie dem Tourismus) und somit auch für die Entwicklung der Region entscheidend. Doch der weiterhin zu hohe Nährstoffeintrag - insbesondere durch die Landwirtschaft - sowie die Verschmutzung durch Schadstoffe und Plastik stellen nach wie vor eine immense Bedrohung des Ökosystems dar.

Ein Lösungsansatz, der den Mittelpunkt der Tagung darstellte, ist die Kreislaufwirtschaft. Recycling auf den verschiedenen Stufen der Produktion und des Konsums reduziert den Stoffeintrag in die Ostsee und schützt gleichzeitig das Klima. Rednerinnen wie die EU-Kommissarin für den Binnenmarkt, Industrie und Unternehmertum, Elzbieta Bienkowska, betonten die Potentiale, die sich aus der stärkeren Orientierung auf eine Kreislaufwirtschaft für die Region ergeben. Projekte wie „Baltic Blue Growth“ oder „Desire“ sind Flaggschiffprojekte der EU-Ostseestrategie, die hier ansetzen. In „Baltic Blue Growth“ wird etwa die kommerzielle Miesmuschelzucht in der Ostsee ausgetestet, die Nährstoffe aus dem Gewässer entzieht und in die Wirtschaftskreisläufe zurückbringt. Im Projekt „Desire“ (Development of sustainable peatland management in the Neman river catchment) ist die Universität Greifswald der federführende Partner. Das Projekt ist am Greifswalder Moorzentrum angesiedelt und hat zum Ziel, eine moorerhaltende und somit nachhaltige Bewirtschaftung über Paludikultur im Einzugsgebiet der Memel zu etablieren.

Text: Stefan Ewert


IFZO Cluster „Nachhaltigkeit“ zum UN-Report „Biodiversität“ aus Ostseeperspektive

Der am Montag in Paris vorgestellte UN-Report zur Biodiversität hat eindrücklich vor Augen geführt, wie dramatisch das aktuelle Artensterben ist. Das sich auch in der Ostsee gerade viele höhere Arten wie z.B. aus der Gruppe der Vögel, Fische oder Meeressäuger in keinem guten Zustand befinden, ist in langjährigen Untersuchungen der HELCOM gut dokumentiert. Die Ostsee als relativ artenarmes Ökosystem – Forscher schätzen die Artenzahl hier auf 5.000-6.000 – ist als Brackwassersee ein weltweit einmaliges Ökosystem, für dessen Schutz sich eine besondere Verantwortung ergibt.

Ein Umsteuern verlangt grundlegende Änderungen – doch es ist möglich. Die „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) zeigt als Verfasserin des UN-Reports auf, dass ein nachhaltiges Fischereimanagement funktionieren kann. Und im Ostseeraum ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, die Schadstoffeinträge in die See spürbar zu reduzieren. Wie ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen des Ostseeraums möglich ist, ist eine Kernfrage des neuen Interdisziplinäres Forschungszentrum Ostseeraum (IFZO) an der Universität Greifswald. Auf dem Kickoff-Workshop des Clusters Nachhaltigkeit am 07.06. wird diese Frage von Wissenschaftlern und Praktikern diskutiert werden.

Text: Stefan Ewert


Workshops

Liste der Workshops des Clusters Nachhaltigkeit im Ostseeraum