Die düstere Stille der Moore hat seit jeher Künstler fasziniert. Bilder von urtümlichen, geheimnisvollen Moorlandschaften sind heute der Blickfang vieler Kunstmuseen. Ebenso prägend, jedoch insgesamt wesentlich zahlreicher sind die Bilder der entbehrungsreichen Arbeit der Urbarmachung von Mooren in der Malerei: Van Goghs Gemälde zweier Frauen im Moor ist nur ein Beispiel von vielen. Die Darstellung des bezwungenen Moores, das durch Kanäle entwässert und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wird, bestimmt unsere heutige Vorstellung von Mooren.  

Aktuell kommt den Mooren aus einer ökologischen Perspektive erhöhte Aufmerksamkeit zu. Öffentlich thematisiert werden z.B. die Bedeutung von intakten Mooren für den Klimaschutz, den Erhalt der Artenvielfalt und vielfältige weitere Ökosystemfunktionen. In Deutschland sind jedoch etwa 95 Prozent der ursprünglichen Moorflächen entwässert. Dadurch entstehen Treibhausgasemissionen in erheblichem Ausmaß, Tiere und Pflanzen der Moorlandschaften sind vom Aussterben bedroht und das Vermögen der Landschaft, Wasser zu speichern und zu reinigen sinkt.

Vor diesem Hintergrund und aus der Blickrichtung der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) bieten unsere Unterrichtsmaterialien Anregungen zum schulischen Lernen als Auseinandersetzung zu Grundfragen des menschlichen Einflusses auf seine Umwelt. Moore im Kunstunterricht sind einerseits ein ausgesprochen geeignetes Themenfeld für das exemplarische Lernen im Erfahrungsbereich Mensch und Umwelt und haben zudem eine fachliche, interdisziplinäre Relevanz, um das Verständnis von wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenhängen zu entwickeln. Mittels Beobachtung, bildnerischer Umsetzung, Vergleichen und Reflektieren sollen Schüler*innen die Besonderheiten von Mooren in ihrem historischen wie zeitgenössischen Wandel erfahren und erarbeiten.

Verflochten werden dabei Wissenschaft, Kunst und Alltag. Entsprechend den Rahmenplänen für den Kunstunterricht der verschiedenen Klassenstufen sind die Materialien als Wechselspiel von Produktion, Rezeption und Reflexion konzipiert.

Für die verschiedenen schulischen Unterrichtsfächer bestehen bereits eine Reihe von Unterrichtsmaterialien zum Thema Moore (s. unten). Mit den vorliegenden Anregungen und Ideen erweitern wir diese Angebote um Module für den Kunstunterricht. Die Ideensammlung stellt einen Pool an Lehrmöglichkeiten dar, der durch die Lehrenden an die verschiedenen Klassenstufen angepasst werden kann. Anhand der Beschäftigung mit Kunstwerken vergangener Jahrhunderte, mit Materialien des Moores und mit zeitgenössischer Kunst kann der Kunstunterricht so zur Reflexion über unser Verhältnis zur Natur, Formen von Wildnis und Umwelt beitragen und mit aktuellen Fragen anderer Schulfächer verbunden werden.

Es ergeben sich vielfältige Anschlussmöglichkeiten an andere Fächer, z.B. Sachkunde, Biologie, Geographie, Ethik, Geschichte und Deutsch.

Wie kommt das Moor in den Kunstunterricht?

Die vorliegenden Module sind für den Unterricht im Klassenzimmer oder als Projektwoche konzipiert und basiert auf der Nutzung von Materialien, die bei zuvor erfolgten Moorexkursionen gesammelt wurden oder von der Lehrkraft mit in den Unterricht gebracht werden, sowie von Kunstwerken verschiedener Epochen und Genres.

Einstieg:

SARAH HEUZEROTH in Kooperation mit dem Greifswald Moor Centrum: Natürliche Moore, 2020, Illustrative Infografik (https://www.sarah-heuzeroth.de/portfolio-item/moore/)

Die Lehrkraft kann einen sinnlich orientierten Einstieg anhand der bei einer Exkursion gesammelten oder anderweitig besorgten Materialien wählen, um das Moor über riechen, fühlen und tasten erfahrbar zu machen. Sie kann sich zudem auf den Biologieunterricht (allgemein) bzw. bereits erfolgte Unterrichtserfahrungen zu Mooren beziehen und darauf verweisen, dass einzelne Biotope durch charakteristische Arten bestimmt werden können. Dies gilt auch für Moore.

Über das Schaubild können die Ökosystemdienstleistungen und die aktuelle Situation der Moore in Deutschland verdeutlicht werden. 

I. Pflanzen und Tiere im Moor – Natur entdecken

(Grundschule, Sekundarschule I) Verbindung mit Sach-, Biologie- und Deutschunterricht möglich

Ist eine Exkursion geplant, können Themen für ein Forscher*innenheft benannt oder erarbeitet werden, die von den Schüler*innen dann auf dem Ausflug zusammengetragen werden. Zum Anlegen des Forscher*innenheftes sollen Methoden des Sammelns und Dokumentierens erprobt werden (aufschreiben, zeichnen, pressen, durch- und abreiben, Materialien sammeln etc. (Arten- und Biotopschutz beachten!)).

Zurück in der Schule geht es vor allem anhand der Eindrücke und gesammelten Materialen um das genaue Beobachten und Erkennen von Mustern, Materialien und auch Einordnen. Auch wenn keine Exkursion zuvor stattfand, können anderweitig besorgte Materialien (Rohrkolben, Schilf), aber auch Detailstudien und Zeichnungen, die noch heute in Pflanzenbestimmungsbüchern verwendet werden, dazu genutzt werden, ein genaues Beobachten und bildnerisches Umsetzen zu ermöglichen. Gerade die Besonderheiten vieler Pflanzen und Tieren, die man selten im Alltag sieht, regen das Interesse an.

Mit Hilfe der Abbildungen aus dem Bildatlas – Pflanzen und Tiere in Mooren kann den Schüler*innen gezeigt werden, wie detailgetreu Zeichnungen Pflanzen und deren Bestimmungsmerkmale wiedergeben werden können.

Bildatlas – Pflanzen und Tiere in Mooren

Bildatlas – Pflanzen und Tiere in Mooren

OTTO WILHELM THOMÈ. Gemeines Schilfrohr, 1885, Illustration ursprünglich erschienen in „Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Phragmites_australis0.jpg)
KARL MÜLLER. Torfmoose, 1853, Buchillustration ursprünglich erschienen in „Deutschlands Moose, oder Anleitung zur Kenntniss der Laubmoose Deutschlands, der Schweiz, der Niederlande und Dänemarks für Anfänger sowohl wie für forscher» (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deutschlands_moose,_oder_Anleitung_zur_kenntniss_der_laubmoose_Deutschlands,_der_Schweiz,_der_Niederlande_und_D%C3%A4nemarks_f%C3%BCr_anf%C3%A4nger_sowohl_wie_f%C3%BCr_forscher_bearb_(1853)_(20703211429).jpg?uselang=de)
WILHELM_PHILIPPE SCHIMPER. Sphagnum cuspidatum, Buchillustration ursprünglich erschienen in «Versuch einer Entwickelungs-Geschichte der Torfmoose (Sphagnum) und einer Monographie der in Europa vorkommenden Arten dieser Gattung.» (https://www.biodiversitylibrary.org/page/13416651)
TOM SCHRÖDER: Kieshofer Moor. Ein Tier- und Pflanzenführer, 2016–2017, Aquarell, handgeschöpftes Papier (https://medien-und-informatikschule.de/rumooren.html)

Aufgaben für die Schüler*innen

1) Beobachte ganz genau eine charakteristische Pflanze, die in Mooren zu finden ist und zeichne sie selbst.

2) Überlege dir, aus welchen Teilen die Pflanzen bestehen. Was sieht man davon, was nicht? Was befindet sich über dem Boden, was unter? Vergleiche dies mit anderen Bildern. Wie werden Pflanzen sonst in Bildern dargestellt?

3) Was ist dir über Moore bekannt? Welche Funktionen hat es, was für Erzählungen/Mythen ranken sich darum? Davon ausgehend sollen Schüler*innen nun eigene Pflanzen entwerfen oder Frottagen von Pflanzen anfertigen. In einem Steckbrief können die Eigenschaften festgehalten werden.

Ziel:

Allgemein:

  • Fördern des forschenden Lernens
  • Fördern der Wahrnehmung und Vorstellungsmöglichkeit
  • sich bewusst auf Erfahrungen einlassen

Fachspezifisch:

  • durch eigene Gestaltungsversuche (Malen, Zeichnen) intensivere Beziehungen zur Umwelt aufbauen
  • Umsetzung der Beobachtungen zur Umwelt in bildnerische Produktion
  • Möglichkeit der Reflexion über das Gesehene und Dargestellte durch Vergleich mit tatsächlichen Pflanzen und Pflanzen in der Malerei

II. Von der Detailstudie/Biotop zur Landschaftsmalerei

(v.a. Sekundarschule I)

Was ist eigentlich Wildnis? Die Wildnis stellt oft ein Gegenbild zu der Stadt, den Garten, den Park dar, charakterisiert durch eine scheinbare, Urwüchsigkeit und das Fehlen menschlicher Eingriffe und Gestaltungen. Mit welchen Begriffspaaren können Wildnis und von Menschen gestaltete Räume beschrieben werden. Dargestellt werden soll, dass Landschaft eine Vorstellung von Natur ist, ein Prozess der Veränderung von Natur durch den Menschen.

Aufgaben für die Schüler*innen:

1) Beobachte deine Umgebung und beschreibe sie.

2) Beobachte deine Umgebung oder eine ausgewählte Landschaft, setze sie bildnerisch um. Wie lässt sich Landschaft darstellen? Wie lassen sich Seherlebnisse bildnerisch umsetzen? (Horizontlinien, Vorder-, Mittel- und Hintergrund, einfache raumschaffende Mittel, Farben, Formen, welche verschiedenen Perspektiven gibt es, Ausschnitte)

3) Vergleiche deine Landschaft mit anderen Landschaften in der Kunst. Finde davon ausgehend (d)eine eigene Definition, was Landschaft ist. Mit welchen Adjektiven lassen sich die Landschaften beschreiben? Gibt es spezifische Zuschreibungen für Moorlandschaften (geheimnisvoll, unheimlich etc.)?

2) Sind Moorlandschaften anders? Was ist ähnlich mit anderen Landschaften, was ist anders?

3) Versuche passende Perspektiven zu finden, wie eine Moorlandschaft gezeichnet/gemalt werden kann. Setze dies dann bildnerisch um (ggf. unter zu Hilfenahme von Vorlagen).

 

Der Bildatlas – Das geheimnisvolle Moor gibt Beispiele für die Darstellung von Moorlandschaften in der Kunst. Anhand dieser Beispiele kann den Schüler*innen aufgezeigt werden, wie die Kunst Eindrücke von Landschaften vermittelt. Es überwiegen düstere, geheimnisvolle Darstellungen. Anhand des Bildes von Levitan ist jedoch der Kontrast eines hellen Moores zu beschreiben, welches sich durch das blühende Wollgras auszeichnet.

Bildatlas – Das geheimnisvolle Moor in der Landschaftsmalerei

Bildatlas – Das geheimnisvolle Moor in der Landschaftsmalerei

JACOB VAN RUISDAEL: Der Sumpf, um 1660, Eremitage, St. Petersburg, Öl aif Leinwand, 72 x 99 cm (https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Jacob_Isaaksz._van_Ruisdael_015.jpg)
ISAAC LEVITAN, Birkenhain, 1885-1889, Staatliche Tretjakow-Galerie Moskau, Öl auf Leinwand, 285 x 196 mm (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1885-1889_Birkenhain.jpg)
FRANZ MARC: Moorhütte im Dachauer Moor, 1902, Franz Marc Museum, Kochel am See, Öl auf Leinwand, 43,5 x 73,6 cm (https://de.wikipedia.org/wiki/Moorhütten_im_Dachauer_Moos)
GEORG JAUSS: Abendstimmung im Dachauer Moor, Öl auf Leinwand, 67 x 100 cm https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Jauss_-_Abendstimmung_im_Dachauer_Moos.jpg
KITTY LANGE KIELLAND: Moor bei Jæren, 1882, Öl auf Leinwand, 66 x 78 cm, National Museum, Oslo, (https://www.nasjonalmuseet.no/en/collection/object/NG.M.00521)
PAULA MODERSOHN-BECKER: Moorgraben, 1900–1902, Privatbesitz, Öl auf Leinwand, 54, 1 x 33 cm (https://www.wikiart.org/en/paula-modersohn-becker/peat-digging-1902)
JOSEPH WILLIAM M. TURNER: Peat Bog, Scottland (Moor, Schottland), um 1808, Tate, London, Wasserfarben auf Papier, 190 x 268 mm (https://www.tate.org.uk/art/artworks/turner-peat-bogscotland- d08148)
ADOLF HÖLZEL: Dachauer Moor, um 1902, Privatbesitz (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:H%C3%B6lzl_Dachau.jpg)

Ziel:

Allgemein:

  • Umsetzung der Beobachtungen zur Umwelt in bildnerische Produktion, Fördern von Wahrnehmung und Vorstellungsvermögen
  • Entwicklung einer kritisch-ästhetischen Urteilskraft über Natur und Landschaft
  • Auseinandersetzung mit Oppositionen

Fachspezifisch:

  • durch eigene Gestaltungsversuche (Malen, Zeichnen) intensivere Beziehungen aufbauen
  • Strategien von Künstler*innen erkunden
  • Kunstwerke in ihrer Abhängigkeit von historischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen deuten und verstehen
  • an ausgewählten Kunstwerken eine differenzierende Sicht auf Welt wiedergeben
  • die Bedeutung der Kunst im eigenen Lebensumfeld und in der Gesellschaft zu erfassen und zu reflektieren

III. Arbeit und Landschaft/ Mensch und Natur

(Sekundarstufe I, II) Fachliche Erweiterung/Zusammenarbeit mit folgenden Fächern möglich: Biologie, Geographie, Ethik

An der Veränderung von Moorlandschaften lässt sich die Kultivierung von Natur nachdrücklich aufzeigen. In den letzten Jahren erkannt man zudem die Zerstörung und Begrenztheit von Natur als Problem an.

Im nächsten Schritt geht es daher um die Auseinandersetzung mit Gemälden, die die menschliche Arbeit im Moor thematisieren. Als im 19. Jahrhundert viele Moore entwässert wurden, um Torf zu gewinnen und die Landschaft urbar zu machen, setzten sich Künstler mit den unwirtlichen Lebensbedingungen der Arbeitenden im Moor auseinander. Im Unterricht wird die Darstellung der Arbeitsbedingungen reflektiert. Zudem kann die Ambivalenz der Urbachmachung anhand der Bilder aufgezeigt werden. Während am Beispiel des Gemäldes Fritz Overbecks (Künstlerkolonie Worpswede) die Idylle der Moordörfer erörtert wird, zeigt das Gemälde Eugen Jettels die Zerstörung von Landschaft durch den Torfabbau. Der Aspekt der Landschaftszerstörung verweist auf die heute insbesondere diskutierten Probleme des Biodiversitätsverlustes, indirekt aber auch auf die Treibhausgasemissionen aus entwässerten Mooren hin.  

Aufgaben für die Schüler*innen:

1) Was sehe ich? Wie wirkt die Landschaft auf dem Bild? Erkläre/Beschreibe wie die Wirkung zustande kommt. Welche gestalterischen Mittel wurden jeweils dazu eingesetzt?

2) In den meisten Bildern, die Moorlandschaften zeigen, sind bereits die Veränderungen durch den Menschen sichtbar. Welche sind das? Vergleiche dazu Bilder unterschiedlicher Künstler*innen.

3) Welches Bild vom Moor habe ich? Wie setze ich es (malerisch, fotografisch) um?

Ziel:

Allgemein:

  • Beobachten, bildnerisches Umsetzen und reflektieren über Unterschiede
  • Entwicklung einer kritisch-ästhetischen Urteilskraft über Natur und Landschaft
  • Bildung zu einer nachhaltigen Entwicklung
  • Entwicklung von Beurteilungen des menschlichen Wirkens auf die Umwelt

 

Fachspezifisch:

  • Kunstwerke in ihrer Abhängigkeit von historischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen deuten und verstehen
  • Vertiefung von Kenntnissen über verschiedene Genres
  • die Bedeutung der Kunst im eigenen Lebensumfeld und in der Gesellschaft zu erfassen und zu reflektieren
  • an Beispielen ein Verständnis für die Wechselwirkung zwischen geschichtlichem Kontext und Kunstwerk zu entwickeln
  • Kompetenzbereich Rezeption, Kompetenzbereich Reflektion (für die Sek. II): Verantwortung für die eigene Umgebung und ein Verständnis für die gesellschaftliche Relevanz aller Gestaltungsfragen
  • Erfahrung von Heimat/Kulturlandschaft
Bildatlas – Der Mensch verändert das Moor

Bildatlas – Der Mensch verändert das Moor

FRITZ PETZHOLDT (Copenhagen School): En mose ved Høsterkøb med tørvearbejdere (Ein Moor mit Torfstechern bei Høsterkøb), 1828, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, 44 x 62,5 cm (https://en.wikipedia.org/wiki/Fritz_Petzholdt#/media/File:En_mose_ved_Høsterkøb_med_tørvearbejdere.jpg)
VINCENT VAN GOGH: Zwei Frauen in der Heide, 1883, Van Gogh Museum, Amsterdam, Öl auf Leinwand, 27,8 x 36,5 cm (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vincent_van_Gogh_-_Two_women_on_the_heath_- _Google_Art_Project.jpg)
WILLEM ROELOFS: Dragging Peat/Torfschlepper, vor 1897, York Art Gallery, Öl auf Leinwand, 28,2 x 45,1 cm (https://artuk.org/discover/artworks/dragging-peat-8262)
THOMAS WADE: Torf Cutter (Torfschneider), 1869, Tate, London, Öl auf Leinwand, 900 x 700 cm, (https://www.tate.org.uk/art/artworks/wade-turf-cutters-t07050)
EUGEN JETTEL: Große Moorlandschaft, 1879, Österreichische Galerie Belvedere, Wien, Öl auf Leinwand, 71 x 112 cm (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eugen_Jettel_-_Gro%C3%9Fe_Moorlandschaft_-_2543_-_Kunsthistorisches_Museum.jpg)
FRITZ OVERBECK: Abend am Moorkanal, undatiert (vor 1895), Privatbesitz, Öl auf Karton (https://overbeck-museum.de/archiv-bild-des-monats/page/5/)
KITTY LANGE KIELLAND: Torflandschaft in Jaeren, 1897, Kode Art Museum, Bergen, Öl auf Leinwand, (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tourbi%C3%A8re_%C3%A0_J%C3%A6ren.jpg?uselang=de)
OTTO MODERSOHN: Frühling im Quelkhorner Moor, 1928, Privatbesitz, Ol auf Leinwand, 57,4 x 74,8cm (https://www.lempertz.com/de/kataloge/lot/962-1/538-otto-modersohn.html)
ESTER ALMQVIST: Herbstpflügen im Moor, 1911, Göteborgs Konstmuseum, Öl auf Leinwand, 84 x 130cm (http://emp-web-34.zetcom.ch/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=8020&viewType=detailView)

IV. Von der Landschaft zur Materialität von Landschaft, Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Mooren als Kulturspeicher

(Sekundarstufe I, v.a. II)

Standen bisher Pflanzenstudien und die ästhetischen Aspekte von Landschaft im Vordergrund, geht es in dem letzten Modul um die Materialität von Natur und wie sie in künstlerische Prozesse einbezogen werden. Damit sollen zeitgenössischen künstlerischen Praktiken wie Land Art in Verbindung mit der kulturellen Bedeutung von Mooren und hier abgebauten Materialien wie Torf und Reet gedacht werden. Die Arbeit mit Naturmaterialien schafft einen Anreiz für ein ästhetisches Forschen: welche Eindrücke entstehen, wie lassen sich Vorstellungen, mit welchen Materialien umsetzen? Welche Rolle spielt der Zufall bei der Entstehung von künstlerischen Arbeiten? Welche Transformationen durchlaufen die Materialien (nass, feucht, trocken, fest, bröckelnd).

Reet ermöglicht dabei auch eine Verbindung zum Thema Architektur. Dazu können Modelle erstellt werden, in denen Reet als Baumaterial Verwendung findet. Historische Bezüge (Modelle von Häusern etc. aus der Wikingerzeit, Frühes Mittelalter etc.) ebenso wie zeitgenössische Ansätze können dazu einbezogen werden.

Aufgaben für die Schüler*innen:

1) Schaue dir Arbeiten von Land Art-Künstler*innen an. Beschreibe und erarbeite Charakteristika dieser künstlerischen Position.

2) Ordne Arbeiten von Künstler*innen wie Ingrid Ogenstedt oder Silvia Klara Breitwieser, die mit Torf und anderen Materialien aus Mooren arbeiten, ein. Was sind die Eigenschaften, Konstruktionsweisen von diesen Arbeiten, welche Wirkungen haben sie?

3) Arbeite selbst mit Naturmaterialien. Erstelle z. B. ein Schlammbild (als Ersatz für Torf) und/oder schaffe mit Reet eine Skulptur oder ein architektonisches Modell. Beschreibe/Erkläre, welche Eigenschaften die jeweiligen Materialien haben. Verändern sie sich nach einigen Tagen/Wochen (Farbe, Zustand, Stabilität etc.)?

Ziel:

Allgemein:

  • Bildung zu einer nachhaltigen Entwicklung
  • Sinnliche Erfahrung von Natureindrücken und deren Reflexion in Worten und künstlerischen Arbeiten

Fachspezifisch:

  • Fördern eines ästhetischen und künstlerischen Erforschens unserer Umwelt, kreativer Umgang mit Materialien und Techniken
  • Bildkompetenz; Vertiefung von Kenntnissen über verschiedene Genres; Strategien von Künstler*innen erkunden
  • die Bedeutung der Kunst im eigenen Lebensumfeld und in der Gesellschaft zu erfassen und zu reflektieren
  • an Beispielen
  • Kunstwerke in ihrer Abhängigkeit von historischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen deuten und verstehen
  • Kompetenzbereich Rezeption, Kompetenzbereich Reflektion: Verantwortung für die eigene Umgebung und ein Verständnis für die gesellschaftliche Relevanz aller Gestaltungsfragen. Entwicklung einer kritisch-ästhetischen Urteilskraft über Natur und Landschaft
Bildatlas – Von der Landschaft zur Materialität
GREGORY SEÁN SHEEHAN: Excavations V, 2014–2020, Granite, pigments, turf, on linen, 25 x 20 cm (Besitzt des Künstlers; https://www.gregoryseansheehan.com/websitegallery11.html)
SILVIA KLARA BREITWIESER: Doppelspirale, 1985, Installation, Kunstverein und Kunsthaus Hamburg (https://www.silvia-breitwieser-berlin.de/torfraeume_2.htm)
GREGORY SEÁN SHEEHAN: Arboretum cogitatum II, 2009, Granite and turf on canvas, 100 x 130 cm (Besitz des Künstlers; https://www.gregoryseansheehan.com/websitegallery01.html)
INGRID OGENSTEDT: Facies, 2018, Nesströnd, Vestfirðir, Iceland, Torf von Tröllatunga, Iceland, ca. 350 x 350 x 300 cm (https://www.ingridogenstedt.com/work/facies)
SILVIA KLARA BREITWIESER: „Mein Anti-Bauhaus“, verschiedene Objekte, 1984–2020, Torf, Foto: Sebastian Rost/PNN
INGRID OGENSTEDT: Gata, 2019, Blåvand Strand, Blåvandshuk, Denmark, Thatched with Reed from Værn Engene, Tipperne, Denmark, ca. 300 x 150 x 430 cm (https://www.ingridogenstedt.com/work/gata)
KARL WEIBL: Zeitgeschehen, 1989, Haus der Kunst, München, Torf, Jute, Zeit, ca. 240 x 240 x 240 cm (https://karlweibl.de/__trashed/)
KARL WEIBL: DENIS DIDEROT 1713-1784, aus der die enzyklopädie serie von 17+11 arbeiten auf papier, 2015, zeit, torf, farbe, papier je 40 x 30cm (https://karlweibl.de)

Abschluss

SARAH HEUZEROTH in Kooperation mit dem Greifswald Moor Centrum: Entwässerte Moore, 2020, Illustrative Infografik (https://www.sarah-heuzeroth.de/portfolio-item/moore/)
KATAPULT Magazin: Moore, die unbekannten Klimaschützer, 2018, Katapult Nr. 11.

In den Unterrichtseinheiten können noch einmal die Bezüge zur aktuellen Diskussion der Rolle der Moore im Umwelt- und Klimaschutz hergestellt und der schlechte Zustand der meisten Moorstandorte in Deutschland verdeutlicht werden. Als grafische Veranschaulichung dazu können das Schaubild Sarah Heuzeroths (negative Klimafolgen entwässerter Moore) und des Katapult-Magazins (Größenverhältnisse intakter und entwässerter Moore in Deutschland) genutzt werden. Regional kann auf die Region um die Ostsee als «Meer der Moore» verwiesen werden. Die Bedeutung der Moore in der Region kommt u.a. darüber zum Ausdruck, dass viele der aufgezeigten Arbeiten im Ostseeraum entstanden und/oder hier ausgestellt sind. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ostseeregion ist es unabdingbar, die ökologische Bedeutung intakter Moore aufzuzeigen und diese zu schützen.

Für eine Weiterarbeit an diesem Thema kann im Austausch mit anderen Fächern wie Biologie, Ethik, Geographie selbst Karten angelegt werden.

Weiterführende Materialien

Ausdruck der gestiegenen Wahrnehmung von Mooren im Schulunterricht ist u.a. eine ganze Reihe von Unterrichtsmaterialien für verschiedene Altersgruppen, die z.B. vom Bundesumweltministerium (https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/die-bedeutung-von-mooren-fuer-den-klimaschutz-und-als-lebensraum/), der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (http://www.expedition-moor.de/fuer_alle/index.php?hauptnavigation_id=1) und dem Greifswald Moor Centrum (https://www.greifswaldmoor.de/files/dokumente/GMC%20Schriften/2020-02_Feldmann_Moore%20in%20der%20Bildung.pdf) entwickelt wurden. Diese bieten viele Anregungen für einen fächerübergreifenden Unterricht. Mit Blick auf die künstlerische Dimension der Moore ist zudem auf Projekte am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald (https://cdfi.uni-greifswald.de/storages/uni-greifswald/fakultaet/phil/cdfi/Moor_Flyer-A5_12-Seiter_web.pdf) zu verweisen.


Konzept: Antje Kempe (Universität Greifswald, IFZO) und Stefan Ewert (Universität Greifswald, IFZO, GMC) mit Unterstützung von Maria-Friedericke Schulz (Universität Greifswald, CDFI)