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Lukas Saul (Halle): Lübsche Wachstafelbücher des 14. Jahrhunderts – Einblick in die materiale Schriftlichkeit des Schulalltags im Mittelalter

Vortrag im Rahmen des Kolloquiums “Mittelalter interdisziplinär!” im Sommersemester 2026

Abstract: Waren Wachstafeln und Wachstafelbücher schon seit der Bronzezeit einer der wichtigsten und verbreitetsten Schriftträger, so sind sie heute nicht nur außer Gebrauch geraten, sondern nahezu vollständig aus dem Bewusstsein und der Erinnerung verschwunden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Kloake der ehemaligen St.-Jacobi-Schule in Lübeck zusammen mit anderen Schulutensilien sechzig mittelalterliche Wachstafeln entdeckt und gelangten in die Bestände des heutigen St.-Annen-Museums Lübeck. Der Fund stellt in seinem Umfang, seiner exzellenten Erhaltung des organischen Materials und des besonderen schulischen Kontextes eine Besonderheit dar. Die Tafeln bieten einen außergewöhnlichen und anschaulichen Einblick in den heute fast vergessenen, den Alltag Schreibkundiger im Mittelalter prägenden Schriftträger, der, da er nicht für die dauerhafte Überlieferung gedacht war, nur selten direkt überdauert hat. Die exzellenten Erhaltungsbedingungen ermöglichen eine genaue Analyse und Rekonstruktion der einstigen aufwändigen Konstruktionsweise der Wachstafelbücher; sie ermöglichen darüber hinausgehend, da die Wachspartien ebenfalls größtenteils erhalten sind, eine Beschäftigung mit den geschriebenen Inhalten auf den Wachstafeln – sowohl mit den Textinhalten, die in diesem Fall gleichzeitig auch Unterrichtsinhalte darstellen, als auch mit der Schrift und dem Schreiben an sich. Obwohl der Fund bereits über 150 Jahre zurückliegt, wird er erst in den letzten Jahren im Rahmen eines Dissertationsprojektes vollständig aufgearbeitet. Der Vortrag stellt den Schriftträger „Wachstafel“ vor und bietet Einblicke in die materiale Schriftlichkeit des Schulalltags im Mittelalter.

Veranstaltungsort: Seminarraum 3.07, Domstr. 9a

Hier passiert Forschung! Die Veranstaltung “Mittelalter interdisziplinär!” dient dem interdisziplinären Austausch über laufende mediävistische Forschungsprojekte. Forscherinnen und Forscher aus Berlin, Münster, Halle, Bochum und natürlich Greifswald präsentieren ihre Arbeiten und laden zur Diskussion ein. Bei diesen Vorträgen aus der Skandinavistik, Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie und Geschichte kommen verschiedene Fächer zusammen, üben sich im Gespräch und profitieren vom fächerübergreifenden Austausch. Die Veranstaltung bietet darüberhinaus die Möglichkeit, die eigene Abschlussarbeit vorzustellen und hilfreiches Feedback einzuholen. 

Alle sind herzlich eingeladen! Interessierte dürfen gerne auch zu einzelnen Sitzungen dazustoßen.

Organisator

  • Professorin Dr. Cornelia Linde

Veranstaltungsort

  • Historisches Institut
    Domstraße 9 A
    17489 Greifswald