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Kathrin Müller (Berlin): The Renaissance of Typology in the Twelfth Century. A Cultural History of Biblical Exegesis

Vortrag im Rahmen des Kolloqiums "Mittelalter interdisziplinär!" im Sommersemester 2026

Abstract: Die typologische Bibelexegese erfuhr im 12. Jahrhundert eine verblüffende Wiederbelebung. Im 2. und 3. Jahrhundert als apologetische Argumentationsstrategie gegenüber Juden, Häretikern und Heiden entwickelt, kam die christliche Lesart des Alten Testaments in unterschiedlichsten Kontexten und Medien erneut zur Geltung. Das Interesse bestand weniger darin, die Typologie als hermeneutisches Verfahren weiterzuentwickeln. Auch der Vielzahl an Typen und Antitypen, die bereits im christologisch ausgerichteten ‚Dialogus cum Tryphone‘ von Justin dem Märtyrer (gest. 165) kaum überschaubar ist, hatte man wenig hinzuzufügen. Kennzeichnend war vielmehr die Intensität, mit der das tradierte Denkmuster erneut bemüht wurde. Gänzlich neu war die genreübergreifende Präsenz der Typologie. Auffällig ist dabei, dass die jeweiligen Text- und Objektarten für das 12. Jahrhundert spezifisch waren, das heißt weder zuvor noch danach in einer vergleichbaren Fülle konzipiert und rezipiert wurden. Typologisches Denken manifestierte sich in den Liturgiekommentaren sowie der ‚Glossa ordinaria‘, in der Vielzahl von Texten, die im weiteren Sinn dem frühchristlichen Genre der ‚Adversus Iudaeos‘-Traktate zugerechnet werden können, in unterschiedlichsten Diagrammen sowie in den Bildprogrammen und Versinschriften liturgischer Geräte. Auch in der aufkommenden höfischen Epik ist typologisches Denken präsent. Der Vortrag stellt das Buchprojekt zur dieser Thematik vor und geht auf einzelne Beispiele vertiefend ein.

Veranstaltungsort: Seminarraum 3.07, Domstr. 9a

Hier passiert Forschung! Die Veranstaltung “Mittelalter interdisziplinär!” dient dem interdisziplinären Austausch über laufende mediävistische Forschungsprojekte. Forscherinnen und Forscher aus Berlin, Münster, Halle, Bochum und natürlich Greifswald präsentieren ihre Arbeiten und laden zur Diskussion ein. Bei diesen Vorträgen aus der Skandinavistik, Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie und Geschichte kommen verschiedene Fächer zusammen, üben sich im Gespräch und profitieren vom fächerübergreifenden Austausch. Die Veranstaltung bietet darüberhinaus die Möglichkeit, die eigene Abschlussarbeit vorzustellen und hilfreiches Feedback einzuholen. 

Alle sind herzlich eingeladen! Interessierte dürfen gerne auch zu einzelnen Sitzungen dazustoßen.

Organisator

  • Professorin Dr. Cornelia Linde

Veranstaltungsort

  • Historisches Institut
    Domstraße 9 A
    17489 Greifswald