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Henriette Hellinger (Greifswald): „vita et moribus probatus“ - Verhaltensnormen und Abweichung des Weltklerus im skandinavischen Mittelalter

Vortrag im Rahmen des Kolloquiums “Mittelalter interdisziplinär!” im Sommersemester 2026

Abstract: Diese Dissertation untersucht die Verbreitung und Durchsetzung päpstlicher Normen zum Verhalten und Leben des Weltklerus in den skandinavischen Erzbistümern vom 12. Jahrhundert bis zur Reformation. Durch die Analyse von Kirchenrechtstexten und Synodalstatuten soll ein theoretisches Rahmenkonzept der Normen aufgestellt werden, während die Untersuchung von päpstlicher und episkopaler Korrespondenz sowie Suppliken der Apostolischen Pönitentiarie Aufschluss über Lebensrealität und Normabweichungen des Weltklerus geben. Zu den prominenten Bereichen von Normen gehören: Kleidung, Sexualität, körperliche Unversehrtheit, Gewaltausübung und Freizeitbeschäftigungen, weitere Normen werden jedoch ebenfalls erörtert. Abschließend untersuche ich Gründe für einen Wandel der Toleranz gegenüber Normabweichungen durch eine genaue Betrachtung externer und interner Einflüsse auf den skandinavischen Klerus über den Untersuchungszeitraum.

Im Kolloquium werde ich einen Teil meiner Arbeit präsentieren, der sich vor allem mit der Sexualität der Kleriker beschäftigt, aber auch mit verwandten Themen. Der Zölibat und dessen Bruch nehmen hier einen prominenten Platz ein, verwandte Themen sind verbotene Kohabitation mit Frauen und daraus folgend auch Regelungen für Kinder von Klerikern. Da illegitime Geburt an sich ein Weihehindernis war, ist es besonders interessant, die Menge an Dispensen zu betrachten, in denen Klerikersöhne sich Legitimität und Zugang zur kirchlichen Laufbahn verschafften. Generell ist das Thema der klerikalen Sexualität eines der Prominentesten in den Quellen, sowohl kirchenrechtlicher, als auch regionaler und besonders in den Sammlungen der Apostolischen Pönitentiarie. Während es der Zölibat als Norm sich rechtlich kaum veränderte seit seiner Einführung, ist der Umgang mit dem Bruch desselben doch wandelhaft und oft an Praktikabilität orientiert.

Veranstaltungsort: Seminarraum 3.07, Domstr. 9a

Hier passiert Forschung! Die Veranstaltung “Mittelalter interdisziplinär!” dient dem interdisziplinären Austausch über laufende mediävistische Forschungsprojekte. Forscherinnen und Forscher aus Berlin, Münster, Halle, Bochum und natürlich Greifswald präsentieren ihre Arbeiten und laden zur Diskussion ein. Bei diesen Vorträgen aus der Skandinavistik, Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie und Geschichte kommen verschiedene Fächer zusammen, üben sich im Gespräch und profitieren vom fächerübergreifenden Austausch. Die Veranstaltung bietet darüberhinaus die Möglichkeit, die eigene Abschlussarbeit vorzustellen und hilfreiches Feedback einzuholen. 

Alle sind herzlich eingeladen! Interessierte dürfen gerne auch zu einzelnen Sitzungen dazustoßen.

Organisator

  • Professorin Dr. Cornelia Linde

Veranstaltungsort

  • Historisches Institut
    Domstraße 9 A
    17489 Greifswald