Vortrag im Rahmen der Veranstaltung “Mensch-Tier-Beziehungen im Mittelalter”
In seinem Vortrag, der auf seinem jüngsten Buch basiert, widmet sich Thomas Bauer einer heute nahezu vergessenen Form der Trophäenjagd im Fruchtbaren Halbmond, die über mehr als fünf Jahrhunderte mit einem Kugeln verschießenden Bogen auf vierzehn festgelegte Vogelarten ausgeübt wurde. Er beleuchtet die kulturellen, gesellschaftlichen und literarischen Dimensionen dieser eng reglementierten Jagdpraxis, ihre Verbindung zur Futuwwah, dem um 1200 vom Kalifen an-Nāṣir begründeten „Jungmännertum“, sowie ihre Darstellung in arabischen Texten des 14. Jahrhunderts. Damit rekonstruiert der Vortrag eine bislang unerforschte Jagdtradition und eröffnet neue Perspektiven auf soziale Ordnung, literarische Gestaltung und vormoderne Mensch-Tier-Beziehungen im arabischsprachigen Raum.