Vortrag im Rahmen der Veranstaltung “Mensch-Tier-Beziehungen im Mittelalter”
Zwei französische Jagdtraktate aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts – zum einen Henri de Ferrières ‚Bücher des Königs Modus und der Königin Ratio‘, zum anderen das darauf basierende ‚Buch der Jagd‘ von Gaston Fébus – widmen sich zum einen den praxisbezogenen Details der höfischen Jagd. Zum anderen richten sie die Aufmerksamkeit auf das Eigenleben der Wildtiere in ihrem jeweiligen Habitat sowie ihre Befähigung zu Flucht, Verteidigung und Angriff. Klug, stark und feinsinnig – mit diesen Eigenschaften wurde etwa der Hirsch zum veritablen Gegner aufgebaut, dem der Jäger seinerseits mit großem Können begegnen musste. Der Vortrag legt die Kommunikationsprozesse zwischen Tier und Mensch bei der höfischen Jagd dar. Vom Text der Traktate ausgehend, analysiert er, wie die beigefügten Miniaturen ihrerseits die Konstellationen zwischen Tier und Mensch reflektieren. Insgesamt soll deutlich werden, dass das Tier im Kontext der höfischen Jagd einerseits als nicht-menschlich, andererseits aber als Teil des Sozialen wahrgenommen wurde.