Regionale Entwicklung und Ländliche Räume Mitteilungen

IFZO @ Regional Innovation Policy Conference: Technological change, social innovation, and regional transformation

Regional Innovation Policy Conference; Foto: Privat
Regional Innovation Policy Conference; Foto: Privat

Vom 7. bis 8. November veranstaltete die Universita degli Studi Firenze die 14. Regionale Innovationspolitik-Konferenz mit dem diesjährigen Titel "Technologischer Wandel, soziale Innovation und regionale Transformation". Für das Cluster Regionale Entwicklung und Ländliche Räume wurde ein interessantes Programm an Präsentationen und Keynotes geboten. Im Rahmen einer Session zu „Social Innovation in local and regional development“ hat Miriam Richter-Tokar einen konzeptionellen Forschungsrahmen zur Mobilität von Innovationspolitiken in der Ostseeregion vorgestellt.

Am ersten Tag standen Forschungsarbeiten zu Innovationspolitik und vor allem Innovation in peripheren Gebieten im Vordergrund. Rune Dahl Fitjar von der University of Stravangar und Markus Grillitsch von der University of Lund hatten dazu eine Reihe Sessions mit dem Thema „Regional growth against all odds“ organisiert. Zunächst präsentierten Herr Grillitsch und Herr Nielsen (Lund) eine Studie zur Ulsteinvik Region in Norwegen in der sie die Rolle von langfristiger strategischer Agency für regionale Entwicklung hervorhoben. Dazu bezogen Sie sich auf ein Modell der Trinity of Change Agency von Grillitsch und Markku Sotarauta (Tampere) (2019), dass zwischen innovativer Entrepreneurship, place-based leadership und institutional entrepreneurship unterscheidet. Dieses Modell wurde im folgenden Vortrag von Herrn Sotarauta in Beziehung zur Pfadentwicklung gesetzt und anhand empirischer Studien in Jakobstad sowie Ost Lappland (Finnland) überprüft. Anschließend stellte Magnus Nilsson (Lund) noch eine Studie zur Rolle der lokalen Kultur für die regionale Entwicklung vor. Darin schloss er, dass eine enge lokale Kultur (am Beispiel der Gnosjöandon in Gällivare/Gnojö, Schweden) zwar inkrementelle Innovationen fördert, radikale Innovationen aber verhindert werden. Der Vormittag schloss mit einer Präsentation zu Politik, die die Diffusion von Digitalisierung fördern soll.

Die erste Nachmittagssession thematisierte die methodischen Herausforderungen der Erfassung von Agency in der Regionalentwicklung. Dabei wurden Fragen des richtigen Forschungsdesigns, -zeitpunktes, der räumliche Skala und Instrumentariums diskutiert. Anschließend wurde diese theoretische Ausarbeitung innerhalb des ReGrow Projektes praktisch getestet. Auch interessant war der Beitrag Heike Mayers (Bern) zu slow innovation in peripheren Regionen Europas. Dazu begab sie sich in abgelegene Alpenregionen in Österreich und Italien, um Shearmures slow innovation Modell mit post-growth Aspekten in Einklang zu bringen. Tatsächlich boten die peripheren Regionen lokalen Akteuren die Möglichkeit zu Experimentieren und Leidenschaft für das Produkt spielte im Innovationsprozess eine große Rolle. Zum Abschluss analysierte Magnus Nilsson das Konzept des Vertrauens und seine Bedeutung für regionale Entwicklung.

Der zweite Tag stand unter dem Thema der sozialen Innovationen, die im Kontrast des technologischen Verständnisses von Innovationen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewann. Die morgendliche Keynote von Frank Moulaert (Leuven) betonte vor allem die ethischen Aspekte der regionalen Entwicklung, explizit das Machtverhältnisse in der Politik häufig nicht beachtet werden. Dieser Beitrag wurde durch eine Präsentation von Gabriela Gandel ergänzt, die Impact HUB als europaweiter Dienstleister für soziale Innovationen vorstellte. Auch in diesem Themenfeld stand die Problematik der empirischen Erfassung sozialer Innovationen im Zentrum der Diskussion. Silvia Rita Sedita (Padua), Simone Strambach (Marburg) und Judith Terstriep (Westphalen) adressierten verschiedene Herangehensweisen der Messung und des Abbildung sozialer Innovationen in ihren Präsentationen. Andrea Winiger (Bern) ergänzte diese Session in dem sie darauf hinwies, dass auch bei der Messung des Ergebnisses nicht nur ökonomische Aspekte im Fokus stehen sollten, sondern im Rahmen des Post Growth Gedankens auch soziale Indikatoren eine wichtige Folge sozialer Innovationen sind. Auch der Ansatz der Quadruple Helix, die die Gesellschaft als wichtigen vierten Innovationstreiber neben dem öffentlichen Sektor, der Privatwirtschaft und Universitäten sieht, wurde als Forschungsansatz sozialer Innovationen vielfach diskutiert (Virkkala (Vaasa), Donati (Florenz), Biggeri (Florenz)). Der Tag schloss mit einer Diskussion zu Sozialen Ökosystemen, durch die eine systemische Analyse sozialer Innovationen möglich wird.

Text: Miriam Richter-Tokar


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