Wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird, untersucht Koch unter anderem anhand deutsch-englisch bilingual aufwachsender Kinder. Gemeinsam mit Kolleg*innen erforscht er das sogenannte Code-Mixing – also die Kombination beider Sprachen innerhalb einer Äußerung. Beispiele wie „Look at the Ampel, it’s kaputt“ oder „Die Bauarbeiter speaken German“ zeigen, dass Kinder die beiden Sprachsysteme nicht wahllos vermischen. Stattdessen folgen ihre Äußerungen wiederkehrenden Mustern und liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, wie mehrsprachige Sprachsysteme organisiert sind.
Grundlage der Forschung sind authentische Sprachaufnahmen aus dem Familienalltag. Die Aufzeichnungen entstanden nicht in künstlichen Testsituationen, sondern beispielsweise beim gemeinsamen Essen, Vorlesen oder Spielen. „Ziel war es gerade, möglichst authentische, natürliche Sprachdaten aus dem Familienalltag zu erhalten, ohne die Interaktion unnötig zu beeinflussen.“
Sprache prägt Kommunikation und Perspektiven
Neben dem Spracherwerb beschäftigt sich Koch auch mit dem Schreiben in mehrsprachigen Kontexten. Seine Forschung zeigt, dass Sprache das Denken zwar nicht vollständig bestimmt, aber beeinflussen kann, wie Menschen Wahrnehmungen strukturieren, Argumente entwickeln oder sich ausdrücken. Wer in mehreren Sprachen schreibt, greift häufig auf unterschiedliche rhetorische Muster und Ausdrucksweisen zurück.
„Die pauschale Aussage, Deutsch sei besonders schwer, ist so nicht haltbar – sie ist eher ein Mythos, der aus einzelnen, oft sehr sichtbaren Merkmalen der Sprache entsteht“, erklärt Nikolas Koch. Zwar verfüge das Deutsche mit Kasus, Genus oder unterschiedlichen Verbstellungen in Haupt- und Nebensatz über Strukturen, die als komplex gelten. Andere Sprachen brächten jedoch ihre eigenen Herausforderungen mit – etwa Tonsysteme oder komplexe Schriftsysteme.
Wie schwierig Deutsch empfunden wird, hänge deshalb vor allem von den sprachlichen Voraussetzungen der Lernenden ab. Wer bereits eine verwandte Sprache wie Englisch oder Niederländisch spricht, profitiere häufig von Gemeinsamkeiten. Für Menschen mit sprachlich weiter entfernten Erstsprachen könne Deutsch dagegen deutlich anspruchsvoller sein. Auch das Alter spiele eine wichtige Rolle: Kinder erwerben Sprache meist intuitiv, während Erwachsene stärker auf bewusstes Lernen von Regeln angewiesen sind. „Schwierigkeit ist kein absoluter Wert, sondern hängt immer davon ab, wer eine Sprache aus welcher Ausgangssprache heraus lernt.“
Weitere Informationen
Zur Person: Prof. Dr. Nikolas Koch ist seit April 2026 Professor für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache an der Universität Greifswald. Nach seinem Studium der Fächer Biologie, Deutsch und Geschichte an der Universität zu Köln war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München und absolvierte anschließend sein Referendariat. In seiner Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit mehrsprachigem Spracherwerb, Sprachbildung sowie Schreiben und Sprachverwendung in mehrsprachigen Kontexten.
Ein ausführliches Interview mit Prof. Dr. Nikolas Koch anlässlich seiner Berufung an die Universität Greifswald lesen Sie im Magazin Campus*1456
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Nikolas Koch
Institut für Deutsche Philologie
Rubenowstraße 3, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 3426
nikolas.kochuni-greifswaldde
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