Kontaktzone Mare Balticum: Fremdheit und Integration im Ostseeraum

Graduiertenkolleg 619, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Das Graduiertenkolleg organisiert die gemeinsame Forschungsarbeit in Vorlesungen, Methodenseminaren, Workshops, Gastvorträgen und Doktoranden-Kolloquien und wird von den Fächern Philosophie, Psychologie, Literaturwissenschaften (Skandinavistik, Slawistik, Baltistik), Kunstgeschichte, Politik-, Geschichts- und Rechtswissenschaften getragen und in der dritten Bewilligungsphase um die Fächer Musikwissenschaft und Sprachwissenschaft erweitert.

Schwerpunkte sind Fremdheit im Denken und Bedingungen sozialer Integration, Prozesse der Fremdwahrnehmung und kulturelle Transformation sowie Fremdwahrnehmung und Integration in historischer Perspektive. Infolge der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche kam es in Europa nach 1989 vielfach zu ethnischen Konflikten, die sich in Ausbrüchen von Fremdenfurcht, Fremdenhaß und übersteigertem Nationalismus oder Rassismus widerspiegelten. In der deutschen und europäischen Öffentlichkeit, aber auch in den von ihr befragten Wissenschaftsdisziplinen, haben eben diese negativen Seiten des Fremdkontaktes einen spezifischen Bedarf an Erklärungsmustern hervorgebracht. Viel weniger Beachtung haben dagegen die positiven Aspekte der Begegnung mit dem Fremden gefunden: der zwar auf allen Ebenen des Kontaktes wirksame, aber unspektakuläre Austausch zwischen verschiedenen Gruppen, Kulturen, Ethnien und Nationen und seine vielfältigen integrativen Wirkungen. Der Ostseeraum – die Region des Mare Balticum – ist und war in Gegenwart und Geschichte stets eine Zone fruchtbarer Austauschbeziehungen, deren Intensität allerdings häufig auch unter Kriegen und politisch bestimmten Abgrenzungen litt.

Themenbereiche

  1. Rezeption und Konzeption des Fremden in religiösen, philosophischen, rechtlichen und literarischen Texten sowie in historischen Quellen
  2. Entstehung des Bildes vom Fremden und Verfestigung von Stereotypen
  3. Funktion des Fremden bei der Identitätsbildung (individuell, regional, überregional)
  4. fremde Elemente in Kultur und Lebensordnung (Kunst, Musik, Sprache, Recht, Philosophie, Politik, Geschichtsbewußtsein)
  5. Faktoren der Ablehnung und Ausgrenzung von Fremden
  6. Entwicklung und Funktion trans- und supranationaler Gemeinsamkeiten
  7. Ebenen und Schauplätze der Integration

Koordinator

Dr. Alexander Drost
Domstraße 9 a
D-17487 Greifswald
Tel.: +49 (0)3834 86-3341/-3309
Fax: +49 (0)3834 86-3305